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Diverse

Sammelbesprechung: Das Konzert

Eingestellt am 09.07.2011

Walter Salmens Studie zur Entwicklung des Konzerts (Das Konzert. Eine Kulturgeschichte, München 1988) zählt noch immer zu den Klassikern der wissenschaftlichen Literatur zum Konzert-Diskurs. Salmen spannt den Bogen von der Antike zur Moderne, präsentiert zahlreiche Bildzeugnisse und dokumentiert zudem Konzertformen, die in der historischen Entwicklung eine hervorgehobene Rolle gespielt haben. Auch die Umwälzung des Konzertlebens zu einem auratischen Hörereignis wird nachvollzogen - ganz zu schweigen von der Entwicklung unserer heutigen, durch das Bildungsbürgertum stark geprägten Hörgewohnheiten.

An dieser Stelle setzt Irmgard Jungmanns knapp 20 Jahre später entstandende Publikationen zur Sozialgeschichte der klassischen Musik an, die in besonderer Weise eben dem Aspekt der bildungsbürgerlichen Musikanschauung und seiner Entwicklung den Tribut zollt (Sozialgeschichte der klassischen Musik. Bildungsbürgerliche Musikanschauung im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 2008). Der Komplex der Vermittlung von Musik spielt hier eine besondere Rolle, da er eng mit einem wie auch immer gearteten gesellschaftlichen Auftrag von Musikvermittlung verbunden ist. Eine solche Musikästhetik liegt immer noch vielen Konzeptionen zu Grunde, auch wenn diese oft nivelliert werden. Irmgard Jungmann zeigt mit klaren Worten, inwieweit sich bildungsbürgerliche Ideen noch heute gehalten haben, wie sie durch Ideen der Popmoderne und der Popkultur transformiert wurden und was die Implikationen für die nächsten Jahre sein können.

Und schließlich: Martin Tröndles Band zur Lage des heutigen Konzerts und dessen neuen Konzepten (Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form, Bielefeld 2009). Tröndle sammelt als Herausgeber verschiedene Ansätze von Vertretern unterschiedlicher Disziplinen, die von der Musikwissenschaft über die Praxis hin zur Musikwirtschaft reichen. "Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten" - so lautet der Titel einer anderen Publikation Tröndles, und auch hier könnte die Sentenz als Motto dienen. Innovative Ansätze zeigen ein Kaleidoskop an Perspektiven auf, wie die eherne Form des Konzerts fit gemacht werden kann für die nächsten Jahre. Keine Frage, dass auch die Musikvermittlung hier eine besondere Rolle spielt!

Die Daten im Überblick:
Walter Salmen:
Das Konzert. Eine Kulturgeschichte
München 1988.

Irmgard Jungmann:
Sozialgeschichte der klassischen Musik. Bildungsbürgerliche Musikanschauung im 19. und 20. Jahrhundert
Stuttgart 2008.

Martin Tröndle (Hrsg.)
Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form.
Bielefeld 2009. 

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