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Peter Krause/Gudrun Euler

The Art of Music Education

Eingestellt am 27.01.2012

Im Mittelpunkt der dritten Veranstaltung der Programmreihe steht das Zusammenspiel von Konzerthaus und Akteuren aus gesellschaftlichen Feldern wie der Kultur- und Bildungspolitik, der Wirtschaft, der Wissenschaft und dem Mediensektor. Die Vorträge kreisen dabei um das Thema der Zusammenarbeit zwischen diesen Feldern und den Implikationen, die sich hieraus sowohl für die Gesellschaft als auch für die Konzerthäuser und Institutionen ergeben.

Auf den Seiten der Körber-Stiftung und der Programmreihe "The Art of Music Education" finden Sie weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen der Reihe sowie zu den Rednern und ihren Vorträgen.

Peter Krause berichtet in der Welt über den ersten Tag, unter anderem über den Vortrag Otto Schilys zu Neuausrichtungen der Musikvermittlung.

(Links führen zu den Seiten der Körber-Stiftung, einer Übersicht über das Gesamtprogramm des Symposiums und dem Artikel der Welt).

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Im KM-Magazin Nr. 65 rezensiert Gudrun Euler das Symposion. Wir danken dem Verlag und der Autorin für die Veröffentlichungsgenehmigung.


Musikerziehung in allen Facetten mit hochkarätiger internationaler Besetzung: The Art of Music Education Vol. III, Hamburg, 25.–27.01.2012

Ein Beitrag von Gudrun Euler, Korrespondentin, Bonn

Mit einem "Paukenschlag" begann das Symposium "The Art of Music Education Vol. III" der Hamburger Körber Stiftung. Otto Schily, ehemaliger Bundesinnenminister, schlug in seiner Eröffnungsrede vor, den Solidaritätszuschlag in einen Bildungsfond zu überführen und der Musikerziehung von diesem Elf-Milliarden-Kuchen "ein gehöriges Stück" zuzusprechen.

Er begründete seinen Vorschlag mit der hohen Bedeutung von Musikerziehung. Musik sei eine elementare Ausdrucksform des Menschen, die ihm Kommunikation in einzigartiger Form ermöglicht: Zuhören, Taktgefühl, Disziplin, Zusammenspiel, Rücksichtnahme und Respekt sind von ihm benannte Werte, die durch Musik erlernt werden. Auch die Londoner Fallstudie, die einen Zusammenhang zwischen Angeboten zur musikalischen Betätigung für Jugendliche und einer geringeren Jugendkriminalitätsrate feststellt, wurde von Schily als positives Beispiel herangezogen, wie durch Musikerziehung das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen verbessert werden kann.

Diese Eröffnungsrede stimmte sowohl die Teilnehmer aus der Education-Szene und von Konzerthäusern aus dem In- und Ausland als auch die Veranstalter am ersten Tag des Symposiums positiv für die beiden folgenden Tage.

Das vom Bereich Kultur der Körber-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Elbphilharmonie und der European Concert Hall Organisation (ECHO) organisierte Symposium gab Impulse durch Vorträge, Podiumsdiskussionen, Diskussionsforen von Referenten und Teilnehmern in Form von Kultur-Cafés, aber auch Raum für Gedanken- und Ideenaustausch in den Pausen. Eine hochkarätige Veranstaltung, die durch die Vorstellung verschiedener Musikvermittlungsangebote an den Konzerthäusern in Hamburg, Budapest, Wien, Luxemburg, Brüssel, Gateshead, London und in Brüssel, Amsterdam, Warschau, Barcelona und Berlin die verschiedenen Aspekte im europäischen Raum zeigte. Nachdem das Projekt Jeki ("Jedem Kind ein Instrument") aufgrund der Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung in die Diskussion geraten ist, geht die Entwicklung der Education-Projekte hin zu dem "Instrument", das jeder jederzeit und an jedem Ort verfügbar hat: die Stimme. So gibt es vielfältige und interessante Projekte, die sich das Singen in kleinen Gruppen bis hin zu großen Chören und für alle Altersgruppen zu Eigen machen. So setzt das Projekt "Sing with us" am Het Concertgebouw Amsterdam in den Schulen an und kreiert Projekte, die das Singen von den Schulen aus wieder in die Familien zurückbringen, da nur noch wenige Familien zuhause singen. Einen weitaus größeren Kreis erreichen beispielsweise die "Mitsingkonzerte" des Rundfunkchors Berlin, zu dem sich Interessierte über ein Formular im Internet anmelden. Die Nachfrage ist weitaus größer als die 1300 verfügbaren Plätze. Dadurch gibt es weitere positive Entwicklungen: ein großer Zuwachs beim Förderverein, eine umfangreiche mediale Resonanz, Initialzündung für andere Veranstaltungen und für das "Singen im Wohnzimmer". Aber auch die positive Resonanz der Mitwirkenden ist bemerkenswert, das zeigen Äußerungen wie "ein Tag mitzusingen ist wie eine Woche Kur".

Inzwischen traditionell sind die Diskussionsrunden der Teilnehmer und Referenten in Form von World-Cafés am zweiten Tag. Damit ist dann nicht nur ein weiteres Kennenlernen verbunden, sondern auch die über vorgegebene Fragen gesteuerte Diskussion zu bestimmten Themenkreisen. Die Themen des diesjährigen Kongresses waren Fragen nach Qualität, nach gutem Lobbying und nach der Notwendigkeit von Konzerthäusern sowie der dann notwendigen Vermittlungsarbeit an alle.

Auch wenn auf Kongressen kaum grundlegend neue Erkenntnisse gefunden werden, so ist der Gedanken- und Ideenaustausch und die Beschäftigung mit den alltäglichen und besonderen Fragen eines Kulturmanagers sehr wichtig und muss trotz großer Arbeitsbelastung immer wieder einen Platz und ein Zeitfenster finden. So gingen die Teilnehmer nach interessanten Impulsvorträgen, einer abschließenden Diskussionsrunde und der Verabschiedung der Veranstalter mit den Erkenntnissen zurück in ihren Berufsalltag, dass sie sich einige wichtige Faktoren wieder ins Bewusstsein holen sollten: das "Zuhören" – sowohl dem Publikum als auch der Allgemeinheit gegenüber, keine Zugeständnisse den allgemeinen Erwartungen des Publikums machen, unkonventionell und abseits des Mainstreams denken, aber auch mit Partnern und bestehenden Strukturen arbeiten. Außerdem sollte man sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu nutze machen, eine Balance zwischen Anspruch breiter Publikumsschichten und individueller Zielgruppen zu suchen, aber auch andere Organisationen und Gruppen im eigenen Segment respektieren. Wenn man bescheiden startet und Zeit für Entwicklungen lässt, bevor man große Projekte startet, sollte der Erfolg möglich sein.

Mit vielen Ideen zum Zusammenspiel zwischen Konzerthäusern und anderen gesellschaftlichen Akteuren aus Kultur- und Bildungspolitik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medienwirtschaft, mit Anregungen durch interessante Referenten und einer erneut hervorragenden Moderatorin Andrea Thilo endete der Kongress mit der Möglichkeit zur Teilnahme an einer Führung über die Baustelle der Elbphilharmonie. Und hoffentlich mit der Chance, dass dem diesjährigen The Art of Music Education Vol. III ein Volume IV folgt.


Gespräch mit Kai-Michael Hartig, Bereichsleiter Kultur der Körber-Stiftung Hamburg: "Wir stehen am Spielfeldrand"


Nach einem erfolgreichen Symposium zum Thema The Art of Music Education Creating Mindsets for Concert Halls, das bereits zum 3. Mal im Körber-Forum stattgefunden hat, steht die Frage nach den Zielen, Ansprüchen und nach der Rolle dieses Symposiums im Raum. Kai-Michael Hartig, Bereichsleiter Kultur der Körber Stiftung, sieht die Einzigartigkeit eines durch eine Stiftung durchgeführten Symposiums: Es ist ein Symposium, das zum einen den Netzwerk-Gedanken beinhaltet, was durch Teilnehmer aus 17 Ländern seinen hohen internationalen Stellenwert verdeutlicht, aber auch eine hohe Wertigkeit und große Bedeutung für die Kulturszene und deren Weiterentwicklung erzielen möchte. Inzwischen schon traditionell finden Diskussionsforen in Form von World-Cafés statt, die für aktuelle und themenbezogenen Fragestellungen einen "Common Sense" erzielen möchten. Dass hauptsächlich Teilnehmer aus Leitungsfunktionen anwesend sind, verdeutlicht ebenfalls den hohen Stellenwert dieser Veranstaltung.

Die Frage, warum derartige Foren von einer Stiftung durchgeführt werden, ist im Anspruch der Körber-Stiftung verankert. Die Stiftung möchte ein "Forum für Impulse" sein, so wie es der Gründer Kurt A. Körber (1909-1992) gewünscht hat: "Ich möchte ein Initiator, nicht ein Stifter sein." Darauf begründet sich auch das Motto der Körber Stiftung: "Für Menschen, die nicht alles so lassen wollen, wie es ist."

Kai-Michael Hartig sieht sich als Initiator für den Bereich Kultur bei der Stiftung, der vom Spielfeldrand bzw. „von der Seite“ aus Impulse gibt, Impulse für Networking, für Weiterbildung, für politische Entwicklung. So steht auch bei Volume III von The Art of Music Education die Förderung des Zusammenspiels zwischen Konzerthäusern und anderen gesellschaftlichen Akteuren – aus Kultur- und Bildungspolitik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medienwirtschaft – im Fokus. Durch die mittlerweile drei Tagungen ist überregional und international das Bewusstsein für die vielfältige Rolle von "Education" gewachsen, und zwar nicht nur in pädagogischer, sondern auch in strategischer, integrativer, kommunikativer und finanzieller Dimension. Durch diese Impulse ist es auch erfreulicherweise zunehmend einfacher geworden, finanzielle Unterstützung für Education-Projekte zu akquirieren.

Das Symposium ist nach Hartigs Aussage aber auch ein "Forum für Bewusstseinsbildung für die Stiftung". Nicht nur hochkarätige Referenten, sondern auch die bewährt-hervorragende Moderatorin Andrea Thilo prägen dieses Symposium und regen die Teilnehmer immer wieder zur Diskussion an. Der Stellenwert im Umfeld der Kulturpolitik gewann in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung: Durch die Eröffnungsrede des ehemaligen Bundesinnenministers Dr. Otto Schily und seinen dort geäußerten Vorschlag, den Solidaritätsfond zukünftig in Bildung zu investieren, findet auch ein Artikel zu dem Kongress im Feuilleton der Welt seinen Platz (Die Welt, 26.01.2012 "Elf Milliarden für die Bildung").

Dass Kai-Michael Hartig brennt, weitere Symposien folgen zu lassen, zeigen seine schon beim Ausklang und beim Verabschieden geäußerten Ideen. Nach diesem großartigen Erfolg in diesem Jahr sollte das ihn, seine Vorgesetzten und sein Team beflügeln.


zuerst erschienen in: KM Magazin - Kultur und Management im Dialog Nr. 65, März 2012, www. kulturmanagement.net.


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