Drucken Artikel weiterempfehlen


Andrea Hausmann

Netzwerke(n)

Eingestellt am 19.12.2011

Netzwerke und Netzwerken können im Kunst- und Kulturbereich als "buzz words" der letzten Jahre gelten, die gegenwärtig noch einmal besonderen Aufschwung erfahren haben durch das Aufkommen von Sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter und Co.). Während der Begriff der Netzwerke lose Zusammenschlüsse von autonomen Mitgliedern auf horizontaler Ebene und ohne Hierarchien bezeichnet, ist das "Netzwerken" weiter auszulegen und umfasst umgangssprachlich auch die allgemeine Kontaktaufnahme, wie sie u.a. auf den zahlreichen Kongressen, Tagungen und Preisverleihungen in der Kunst und Kulturszene möglich und für die Realisierung von Projekten von besonderer
Bedeutung ist.

Die steigende Bedeutung von Netzwerken lässt sich auch mit dem rasanten Wachstum der Kunst- und Kreativwirtschaft begründen, wo die meisten Unternehmer und Selbständigen ohne (festangestellte) Mitarbeiter auskommen müssen und im Hinblick auf die Ausschöpfung ihrer eigenen Kapazitäten und Ressourcen schnell an ihre Grenzen stoßen. Hier wird es durch das Arbeiten in Netzwerken vielen Klein- und Kleinstunternehmen überhaupt erst möglich, bestimmte, arbeitsteilige Aufträge anzunehmen – in dem z.B. die Vor- und Nachstufen einer Dienstleistungserstellung von Kooperationspartnern übernommen werden können – sowie bestimmte Synergien auszuschöpfen (gemeinsame Vermarktung, z.B. auf einer Messe), Kosten zu teilen (Raumkosten etc.) oder Beratung einzuholen. Aber auch die in größere Kulturorganisationen eingebetteten Mitarbeiter schätzen die Auswirkungen des Arbeitens in Netzwerken. Hierzu gehören ganz allgemein: Aufgabenrealisierung, Effizienzgewinne, Erweiterung des Leistungsangebots, Akquisition von Fördergeldern und Projektmitteln, insgesamt fachlicher, aber auch sonstiger (persönlicher) Austausch.

Damit das Arbeiten in Netzwerken erfolgreich verläuft, sind verschiedene grundsätzliche Erfolgsregeln zu beachten. Hierzu gehören neben einer sorgfältigen, d.h. kriteriengeleiteten Auswahl geeigneter Partner zum Beispiel auch der frühzeitige Austausch über die gemeinsamen Ziele (hilfreich ist hier meist eine schriftliche Fixierung), ein regelmäßiger Austausch (idealerweise im Rahmen institutionalisierter Treffen), die Anerkennung der gegenseitigen Stärken und Profile, das Bekenntnis zur Begegnung unter Gleichberechtigten,eine Bereitschaft zur Einarbeitung in die Arbeits- und Denkweise des jeweiligen Partners sowie regelmäßige (externe) Evaluationen der geleisteten Arbeit, um aus Fehlern lernen und kontinuierlich besser werden zu können.

Last but not least sollte das Arbeiten in Netzwerken immer auch unter einem rechtlichen Blickwinkel betrachtet werden. Denn viele Akteure in Kunst und Kultur beschränken sich auf die oben beschriebenen positiven Auswirkungen von Netzwerken und sind sich nicht darüber im Klaren, welche juristischen und steuerlichen Konsequenzen das kooperative Arbeiten haben kann. So führt etwa das gemeinsame Auftreten vor Kunden dazu, dass die ansonsten voneinander getrennt arbeitenden Einzelunternehmer vom Finanzamt als Gesellschaft bürgerlichen Rechts klassifiziert werden. Damit werden, von den Beteiligten oft unbemerkt, aus lose miteinander verbundenen Netzwerkpartnern plötzlich Gesellschafter mit entsprechenden Rechten und Pflichten.

zuerst erschienen in: KM Magazin - Kultur und Management im Dialog Nr. 62, Dezember 2011, www. kulturmanagement.net .



Seitenanfang