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Constanze Betzl

Innovative Wege der Musikvermittlung in Kassel: Eine aktuelle Reflexion über die Projektarbeit des Vereins Kzwo10

Eingestellt am 07.03.2012

"(Kinder-) Träume müssen sein. Eine neue Reihe mit Kindermusikkonzerten geht an den Start" – so lautete die Überschrift für die Rubrik "Musik" im "Kulturmagazin Kassel“ vom November 2004. Mitten im ansprechend präsentierten Artikel schreibt der Verfasser: "Und so wird das Projekt, das außer zahllosen Ideen noch nicht über den Tag X hinaus konkret wurde, Anfang November seine Feuerprobe zu bestehen haben." (1) Als Mit-Initiatorin der in diesem Artikel vorgestellten Initiative  Kzwo10 – mit dem Aufgabenbereich Ideen, Konzeption und Betreuung der Projekte – freue ich mich berichten zu können: Wir haben damals die Feuerprobe bestanden, und es gibt unseren Verein noch im Jahre 2012 – und hoffentlich auch darüber hinaus! (2)

Die Masterarbeit stellt sieben Projekte des Kasseler Vereins Kzwo10 vor, die in den vergangenen acht Jahren im Rahmen von Kinderkultur Kassel5 durchgeführt wurden: Ein breit gefächertes Angebot an Musikvermittlungs-Projekten mit unterschiedlichen Zielgruppen und Rahmen-bedingungen, die sich alle um neue Kompositionen für Kinder und Jugendliche drehen. Dabei ist jedes Projekt so einzigartig wie die Komponisten aus Kassel, die bei den Projekten als Dreh- und Angelpunkt fungieren. Die Projekte basieren auf Strukturen und Methoden, die mehr als nur einen Sinn anregen und somit für die individuellen Beteiligten eine vielfältige und differenzierte Wahrnehmung ermöglichen. Entsprechend werden auch gezielt andere Kunstsparten wie Bildende Kunst, Tanz, Rap und Film in die Projekte mit integriert. Dabei steht die Vermittlung der Musik und der Kompositionen im Mittelpunkt.

Der Verein wächst – und mit ihm die Erfahrungen: Der Prozess "learning by doing" trifft die Entwicklung und Schwerpunktverlagerung der Projektarbeit sicherlich am besten. Die gesammelten Erfahrungen werden analysiert, überprüft und geordnet und auf diese Weise in die Realisation der Folgeprojekte integriert. In diesem Sinne wird in der  Arbeit auf die von Ernst Klaus Schneider gestellte Frage zur Qualität von Kinderkonzerten eingegangen: (3)

"Wer entfaltet warum für wen mit welcher Wirkung welche Qualität?"

"In unseren Gesprächen und Diskussionen über Qualitäten und in unserem Nachdenken sollten wir versuchen, die stets mitschwingenden normativen Vorstellungen von Qualität zunächst hintanzustellen und uns dem Phänomen der Konzerte für Kinder beschreibend, Faktoren sortierend und ordnend, dann einordnend zu nähern: Merkmale, die Qualitas eines Konzertes erfassen. Und dann in einem weiteren Schritt die Passung der einzelnen Merkmale, ihre Interdependenz und ihre Schlüssigkeit zu prüfen. Dies alles ist dann eine Bezugsbasis für die Einschätzung der Güte. Und zugleich ist zu prüfen, mit welchen Qualitäten wir nachhaltige Wirkungen erzeugen." (4)

Die oben genannte Frage wird auf die Projektarbeit des Vereins Kzwo10 umformuliert und im Laufe der  Arbeit beantwortet werden: Die Projektarbeit von Kzwo10 e.V. entfaltet warum für Kasseler Kinder und Jugendliche mit welcher Wirkung welche Qualität?

Hierbei wird nicht der Versuch unternommen, zu einem eigenen qualitativen Urteil zu gelangen, sondern die Projekte als innovative Wege der Musikvermittlung in Kassel darzustellen und sie dabei kritisch zu reflektieren. Entsprechend geht die Arbeit zuerst von der Praxis aus: Nachdem der Verein Kzwo10 in Kapitel 2 vorgestellt wird, beschäftigt sich Kapitel 3 mit den einzelnen Projekten. Sie werden beschrieben und nach Merkmalen sortiert, um anschließend über den Wandel der Schwerpunkte und Strukturen im Verlauf der Jahre reflektieren zu können (Kapitel 4). Im dritten Teil werden zwei weitere aktuelle Musikvermittlungs-Projekte, die ebenfalls eine kreative Herangehensweise für ihre Arbeit zu Grunde legen, mit dem letztjährigen Kzwo10 e.V. Projekt SMS – SCHÜTZ MACHT STIMMUNG verglichen. Es handelt sich dabei um die Projekte Ohrenblicke von neue töne für junge ohren aus Kassel und RevierOrgeln von der Philharmonie Essen. Bei der Reflexion über die Projektarbeit werden die von Barbara Stiller, Constanze Wimmer und Ernst Klaus Schneider erstellten Gestaltungsaspekte zur Planung und Analyse im "Glossar – ABC eines gelungenen Konzertes für Kinder" berücksichtigt (5). Trotz der Tatsache, dass beim Vergleich der drei Projekte nicht ausschließlich von Kindern ausgegangen werden kann (an zwei Projekten sind Jugendliche beteiligt), können viele dieser Aspekte zur kritischen Überprüfung der Qualitätsmerkmale herangezogen werden.Im vierten Teil wird die Nachhaltigkeit der Kzwo10 e.V. Projekte anhand verschiedener Kriterien überprüft: Die Verbreitung und Dokumentation der Projekte ebenso wie die Einschätzung der Güte anhand von Feedback der Teilnehmenden sowie Preisen und Auszeichnungen. Zum Abschluss der Arbeit (Kapitel 7) wird ein Blick in die Zukunft gewagt. Kann weiter geträumt werden?


Anmerkungen:

(1) Johannes Mundry: "(Kinder-) Träume müssen sein" in: Kulturmagazin Kassel (11/2004), S.14.

(2) Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels war Kzwo10 noch eine Initiative und kein Verein.

(3) Ernst Klaus Schneider: "Zur Qualität von Kinderkonzerten" in: Musikvermittlung-Konzertpädagogik in Detmold (Diskussion Musikpädagogik Sonderheft S2/09), S. 96.

(4) Ernst Klaus Schneider: "Zur Qualität von Kinderkonzerten“ in: Musikvermittlung-Konzertpädagogik in Detmold (Diskussion Musikpädagogik Sonderheft S2/09), S. 96.

(5) Barbara Stiller, Constanze Wimmer, Ernst Klaus Schneider: "Glossar – ABC eines gelungenen Konzertes für Kinder" in: Spielräume Musikvermittlung. Konzerte für Kinder entwickeln, gestalten, erleben, Regensburg 2002, S. 332–344.


Wir danken Constanze Betzl für die Einleitung ihrer Arbeit. Sie können die komplette Studie unter http://www.kzwo10.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=15&Itemid=29 herunterladen.                                                                       

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