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Kai H. Müller/Diverse

Dossier: Musik und Gehirn

Eingestellt am 22.03.2012

Dass Musik Auswirkungen auf das Gehirn hat, dürfte mittlerweile eine allseits bekannte Wendung sein. Auch in den großen deutschen Feuilletons wird heiß und vielseitig hierüber diskutiert. Das netzmagazin möchte aus diesem Grund einige der Ideen aufgreifen und in gebündelter Form präsentieren. Die Dossiers bilden eine neue Reihe des magazins, die in Form von Presseschauen in regelmäßigen Abständen auf Themenbereiche verweist, die mit dem Musikvermittlungsdiskurs verbunden sind.

Danielle Bengsch fasst in der WELT (12/2011) den Diskurs um die These zusammen, dass sich Musik positiv auf die Fähigkeiten des Gehirns auswirkt. Sie greift auf den populären, aber problematischen, weil relativierten Mozart-Effekt zurück und führt weitere empirische Studien an, die den Zusammenhang zu belegen versuchen. In derselben Ausgabe geht Thomas Vitzthum auf den Ansturm auf Musikschulen ein, der ebenfalls mit der Zusammenführung von Musik und Gehirn verknüpft werden kann. Eingehend reflektiert er die Frage, woran der Boom liegen könnte, lässt Akteure beider Seiten zu Wort kommen und greift auf die Ausgaben der öffentlichen Hand zurück. Isabelle Bareither (11/2008) rutscht am Körper etwas tiefer und spricht Musik die Wirkung von Sex zu: Musik wecke Erinnerungen, so schreibt sie, löse Sehnsucht und Melancholie aus - und errege das Gehirn. Wieso fangen Fans zu weinen an? Für sie und Wissenschaftler wie Lutz Jäncke, Autor von "Macht Musik schlau? Neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der kognitiven Psychologie" (Bern 2008), ist die Sache klar: nicht nur das Stirnhirn lässt grüßen! In der CICERO 09/2011 spricht Daniel Hope von musischen Rätseln unter der Schädeldecke, um zugleich aus der hier recht idealistischen Sicht des Musikers auf die wunderbare Welt der Musik und ihre Wirkungen einzugehen. Thomas Hallet spricht in der SÜDDEUTSCHEN (11/2011) von der Erinnerungsfähigkeit an Musik bei Alzheimer-Kranken, während Helmut Martin-Jung ebenfalls in der SÜDDEUTSCHEN (05/2010) über das Phänomen des Ohrwurms berichtet. Auch dieses ist psychologisch ergründbar - doch eine Formel gibt es, wohl zur Enttäuschung vieler Komponisten und Produzenten, nicht. Zu komplex ist das emotionale Feld des Hörers, dessen Komponenten auf verschiedene Weise zusammenwirken. Hubertus Breuer (07/2008) stellt das BRAMS-Institut vor, an dessen Standort einstmals Nonnen sangen und heute Wissenschaftler aus aller Welt über die Wirkungen von Musik auf den Geist forschen. Passenderweise spricht Breuer "vom Klang der Seele". BRAMS - das steht im Übrigen für das "Laboratory for Brain, Music and Sound Research". In der ZEIT prononciert Wolfram Goertz den Hormoncocktail, der beim Musikhören ausgeschüttet wird und der sich anfühle wie Glück (081/2010), Christoph Drösser verweist auf die schrägen Klänge bei Stockhausen, Cage und die Neue Musik (10/2009) und schließlich auch auf Stefan Koelsch, einem Doyen im Bereich der neuropsychologischen Gehirnforschung. Kaum eine relevante Publikation komme ohne eine Fußnote Koelsch et al. aus: "die erste Geige spielt er längst, wenn auch nicht auf der Violine" (09/2008). Es bleiben zum Schluss Beispiele aus der FAZ: Julia Spinola sinniert über die Gehirne von Musikern und wieso es sich lohne, immer wieder Klavier zu spielen (03/2008). Christoph Albrecht (11/2009) rezensiert Daniel Levitins Studie zum "Musik-Effekt" und fragt sich nach allerlei Ausflügen in die Neuropsychologe nahezu banal, wieso wir eigentlich mit dem Füßen wippen?

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