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Clemens Clausen

Sound Perspectives V: Elektroakustische Innovationen

Eingestellt am 21.05.2012

Clemens Clausen ist Mitarbeiter des Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie und spricht in seinem Vortrag über das technische Arbeiten im Klangraum. Er prononciert neue Möglichkeiten für kreative Soundgestaltung, indem neuartige raumbezogene Systeme installiert werden. Der beste Beweis für die Elektroakustik und ihr Wirken sei das Sprechen mit Mikrofon und die Fokussierung des Klangs durch Lautsprecher. Es werde überall Elektroakustik verwendet, Stimmen werden verstärkt, Sounds produziert. Seine Ausgangsthese setzt hier an: die Möglichkeiten der Elektroakustik seien bei Weitem noch nicht ausgereizt. Der Mensch hört grundsätzlich in 3D, das heißt er hört aus verschiedenen Richtungen, sodass sich der psychoakustische Effekt einer Einhüllung von der Umgebung ergibt. Zudem können durch das Gehör Distanzen wahrgenommen werden, denn der Mensch hört instinktiv Entfernungen. Es werde nun seitens der Audioindustrie auffällig viel Aufwand unternommen, um möglichst unauffällig zu werden, das heißt, die Klangwege zu optimieren, ohne zu aufdringlich zu sein. Im Optimalfall seien klare Richtungsbezüge hergestellt, wobei eine gleichmäßige Klangqualität auf allen Sitzen herrscht. Sprachwiedergabe und Konzertakustik sind dabei allgemeine Qualitätsmerkmale, wobei gerade diese beiden Aspekte oftmals in Soundsystemen im weitesten Sinne zu kurz kommen.

Der Regelfall seien heute richtungsbezogene Klangsysteme, wobei ein solches konventionelles Klangsystem meist wenig Lautsprecher habe. Der Sprecher werde im Ausnahmefall des optimalen Klangeindrucks immer am nächsten Lautsprecher abgebildet. Der Punkt in der Mitte, an dem der Klang optimal zusammenläuft, ist der  sweet spot. Kopfbezogen bedeutet an einem spezifischen Platz im Raum orientiert. Raumbezogen hingegen, dass zum Beispiel Sprecher von Umgebungsgeräuschen getrennt werden können. Es können mehrere Schallquellen als kreative Werkzeuge eingebracht werden. Orchester können unnatürlich wiedergegeben werden, das Schlagzeug zum Beispiel akustisch verbreitert. Voraussetzung hierfür sei immer eine Vielzahl an Lautsprechern.

Clausen geht auf zwei Systeme ein, die im Moment vom Fraunhofer Institut entwickelt werden: Das Spatial Sound Stage System, das unter anderem auf der Bregenzer Seebühne eingesetzt wird und für Beschallungssituationen auf großen Bühnen geeignet ist, und das Spatial Sound Wave System nach dem Prinzip der Wellenfeldsynthese, bei dem basal gesprochen die einzelnen Lautsprecher dem Ausdehnungsprinzip einer Welle folgen und dementsprechend leicht versetzt erklingen. Gerade das ermöglicht neue Klangsituationen. Schalleffekte können zum Beispiel animiert werden und anders platziert werden. Ein Beispiel aus der Praxis ist die Diskothek P1 in München.

(Zusammenfassung für das netzwerk junge ohren von Kai H. Müller)

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