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Karlheinz Brandenburg/Kai H. Müller

MP3 - und noch viel mehr

Eingestellt am 20.06.2012

Karlheinz Brandenburg, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT, spricht über die Entwicklung des mp3-Formats, an der er maßgeblich beteiligt war. Begonnen habe alles mit seiner Doktorarbeit, zu der er von seinem Doktorvater Prof. Seitzer inspiriert worden war. Dieser hatte sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie Musik über Telefonleitungen übertragen werden könne. Er hatte ein Patent anzumelden versucht, was jedoch vom Patentamt mit einem Verweis auf die Unmöglichkeit der technischen Realisierung abgelehnt wurde. Daraufhin suchte er einen Doktoranden, der das Gegenteil beweisen sollte: Karlheinz Brandenburg. Es ging um den "Beitrag zu den Verfahren und der Qualitätsbeurteilung für hochwertige Musikcodierung", wie der Titel seiner Doktorarbeit heißt. Es sei wichtig gewesen, bisherige Bahnen des Denkens zu verlassen und nach neuen Wegen der Audiocodierung zu suchen. Der Ausgangspunkt war die Frage, wie der Mensch hört.

Wurden anfangs seine Ergebnisse belächelt, so wurde durch das Aufkommen des Internets, den ein oder anderen medienwirksamen Prozess und nicht zuletzt durch die Erfinung von kompatiblen Endgeräten die Aufmerksamkeit zunehmend auf das technisch überzeugende Format gelenkt. Brandenburg betont, dass von Anfang Teamarbeit geherrscht habe – alle Mitarbeiter aus den 80er Jahren seien noch heute mit dabei. Drei Punkte seien schließlich entscheidend für den Erfolg gewesen, so schrieb es ein Kritiker in DER ZEIT: 1. Visionen, 2. Überstunden und 3. Sturheit. Visionen seien nötig, insbesondere auch bei der Frage nach Distributionsmöglichkeiten von Musik. Überstunden waren erforderlich, da parallel zu seinem Team konkurrierende Forscher an ähnlichen Projekten gearbeitet hatten. Und ohne Durchhaltevermögen sei eine solche Forschung generell nicht möglich.

Und seine Perspektiven? Brandenburg träumt wörtlich von einer besseren Soundqualität als heute, einem besseren Rundum-Sound, von personalisierten Musikabspielmöglichkeiten, die auch geräuschsensitiv sind und zum Beispiel auf ein Summen reagieren. Es geht um die Benutzerfreundlichkeit der Technik.

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