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Oskar Aichinger

O Musica. Zur prekären Situation der allgemeinen Musikerziehung

Eingestellt am 09.06.2008

Alle jungen Menschen sind ja zuerst aufgeschlossen allem gegenüber, also auch der Kunst, aber die Lehrer treiben ihnen die Kunst gründlich aus; die in der Überzahl stumpfen Köpfe der österreichischen Lehrer gehen auch heute immer rücksichtslos vor gegen die Sehnsucht ihrer Schüler nach Kunst und überhaupt nach dem Künstlerischen, von welchem alle jungen Menschen von Anfang an auf die natürlichste Weise fasziniert und begeistert sind. Die Lehrer sind aber durch und durch kleinbürgerlich und gehen instinktiv gegen die Kunstfaszination und Kunstbegeisterung ihrer Schüler vor, indem sie die Kunst und überhaupt alles Künstlerische auf ihren eigenen deprimierenden stupiden Dilettantismus herunterdrücken und in den Schulen die Kunst und das Künstlerische überhaupt zu ihrem ekelhaften Flöten- und genauso ekelhaften wie stümperhaften Chorgesang machen, was die Schüler abstoßen muss.
(Thomas Bernhard: Alte Meister)

Wer kennt es nicht aus eigenen Schulzeiten, jenes erbärmliche Szenario eines Klassenmusikunterrichtes: ein engagierter Lehrer müht sich nach Kräften, pubertierenden Rabauken die Werke der alten Meister der abendländischen Tonkunst nahezubringen, hantiert mit Folien, kopierten Notenblättern, liebevoll zusammengestellten Tonbeispielen, organisiert Konzertbesuch, bietet sein ganzes Instrumentalkönnen auf - und erntet doch nur Unverständnis, Teilnahmslosigkeit, bisweilen Mitgefühl und dann und wann das zaghafte, weil in der Klasse nicht grad angesehen Interesse von ein paar versprengten, durch das Elternhaus einschlägig geprägten Schülerpersönlichkeiten.
Natürlich ist seither viel passiert: Die Didaktiker an den Musikhochschulen haben sich virtuell ihre Köpf zerbrochen, ohne je mit denselben gegen die Wand der Schülerignoranz gerannt zu sein; ständig und in immer kürzere Abständen entstehen neue Lehrbücher, die allesamt auf immer neue und vermeintlich raffiniertere Weise den Spagat zwischen Vermittlung der Tradition und Anbiederung an die Popmusik versuchen. Da werden Mitspielsätze zu Beethoven-Symphonien angeboten, zuckersüße Playback-CDs zu stets bei Erscheinungsdatum schon wieder veralteten Popsongs produziert. Manche Lehrer, deren ureigenste Motivation für diesen Beruf eine ganz andere Musik war, hocken nächtelang, um sich die gerade "hipsten" Songs aus der Hitparade "herunter" zu hören und brauchen dann noch ein paar Nächte, um mithilfe ihres Computers ein Playback zu produzieren, welches das Original bis auf Punkt und Komma imitiert. Andere, und ich ziehe den Hut vor ihrer Leidensfähigkeit, drucken das ganze als Arrangement aus und versuchen mit dann zwar oft willigen, aufgrund ihrer Möglichkeiten aber überforderten Schülern und meist unzulänglichen Geräten eine Reproduktion in Klassenstärke. Das Resultat, Popmusik in Wandervogel- und Spielmusikqualität, wird nach unzähligen Stunden unbezahlter Probenarbeit stolz zu Schulschluss im Schülerkonzert präsentiert. Man mag einwenden, tempura mutantur hin oder her, es sei schon immer das Dilemma beziehungsweise der Auftrag der Musikerziehung gewesen, mit minder professionellen Resultaten vorlieb nehmen zu müssen. Einverstanden, ja mehr noch: Dilettantismus als Chance, als von vornherein zu berücksichtigende Komponente! Nur: "Hoch auf dem gelben Wagen" dreistimmig mit in Jungschar, Kirche, Schülerchor oder sonst wo geschulten Kinderstimmen und Blockflötenbegleitung einzustudieren, bedurfte doch wohl eines geringeren Aufwands als das eben geschilderte Procedere. Zudem ist die aktuell gängige Popmusik per se ein Hightech-Produkt (ich rede nicht von ebenso aktuellen LowFi-Produktionen, denn die kommen im Musikunterricht meines Wissens nicht vor), dessen Wiedergabe mit unzulänglichen Mitteln automatisch zum Scheitern verurteilt ist und damit auch die Schüler schlechter erscheinen läßt als sie sind. Ach ja, da ist noch etwas, fast hätte ich sie vergessen, die verschämten kleinen Sequenzen über Neue Musik in den Schulbüchern, in der Manier von: "Wir hören jetzt ein Beispiel über den ungewöhnlichen Umgang mit der Stimme in der Musik des 20. Jahrhunderts. Cathy Berberian: Stripsody" Es folgt 1 (in Worten: eine) Partiturzeile, der Musikausschnitt dauert 30 Sekunden, dann die "Arbeitsaufgabe: Lasst Euch von dem gehörten Beispiel anregen und versucht, mit der eigenen Stimme zu experimentieren!"
Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Misere des Musikunterrichts hat sich, allen didaktischen und methodischen Bemühungen zum Trotz, verschärft. Und das ist gut so. Die Schüler haben recht. Mehr als fünfzig Jahre kontinuierlicher demokratischer Entwicklung haben ihre Spuren hinterlassen. Die Autoritäten bröckeln, die Kinder wollen keine dümmlich frischfrohen oder gottesfürchtigen Lieder mehr singen, die heilige Zweifaltigkeit Werkbetrachtung-Komponistenlebensbild hat weniger Chancen, die Ehrfurcht vor dem Komponisten als Genie ist dahin. Natürlich werden neue Götzen, ja goldene Kälber verehrt, der Konsumismus treibt allerorten sein Unwesen. Das macht den Einsatz rein kommerzieller U-Musik in einem verantwortungsbewussten und aufgeklärten Musikunterricht ja so problematisch, wenn auch nicht unmöglich; das sei vorschnellen Kritikern gleich vorweg gesagt.
Die Lehrer reagieren auf die beschrieben Situation je nach Temperament und Naturell unterschiedlich. Von denen, die sich hineinknien und mitunter vom feinsinnigen Kunstmusiker zum Popularmusikeleven mutieren, war schon die Rede. Viel problematischer und vermutlich auch größer ist jene Gruppe, die resigniert. Es soll Lehrer geben, die de facto ihren Unterricht eingestellt haben, einfach CDs auflegen, sich in Plauderein mit einzelnen Schülern ergehen, von Zeit zu Zeit eine Videokassette einlegen und sich stumm ihrem Schicksal fügen. Andere beten brav ihren Stiefel, den sie irgendwann in der Ausbildung gelernt haben, weiter herunter, polieren ihn hin und wieder mit aus Fortbildungsseminaren mitgebrachtem Wichs auf und leiden, sensible Künstlernaturen, die sie sind, ihre Dienstzeit durch. Die Krankenkassen legen vorsorglich ein beträchtliches Scherfein beiseite, die Pensionsversicherung darf sich ob der geringeren Lebenserwartung freuen.
Das mag weiter nichts Besonderes sein, auch andere Berufsgruppen haben ihre spezifische Problematik, mit der sie so oder so fertig werden müssen. Das eigentliche Ärgernis in der Musikerziehung liegt im Verdrängen und Beschönigen dieser misslichen Situation durch Schulbehörde, Standesvertretung und nicht zuletzt durch viele Musikerzieher selbst und dem daraus resultierenden Versäumnis, eine völlige Neuorganisation des Musikunterrichtes anzugehen, meiner Meinung nach die einzige Chance, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Da ist zwar bisweilen schon vorsichtig von einer Krise die Rede, man gibt sich offen für neue, schülerzentrierte Ansätze, verschweigt aber, dass solche Ansätze nur unter zwei grundsätzlichen Voraussetzungen funktionieren können, die da sind: Reduktion der Gruppengröße und verstärkte Wahlmöglichkeiten der Schüler. Das bedeutet natürlich die Preisgabe des Dogmas vom Pflichtfach Musikerziehung über alle vier Jahre der Hauptschule und alle acht Jahre der Allgemeinbildenden Höheren Schule hinweg. Und sogleich sind die Mahner auf dem Plan, die vom drohenden Untergang des Musiklandes Österreich künden, da wird doch lieber weiter geschwiegen und in den eigenen Sack gelogen; und so nebenbei eine schöne Summe öffentlichen Geldes sinnlos vergeudet, denn hochqualifizierte und damit gutbezahlte Arbeitskräfte durch solche Arbeitsbedingungen dermaßen zu demotivieren und damit entsetzlich magere Unterrichtserträge zu erzielen, das würde jedem vernünftigen Buchhalter die Zornesröte ins Gesicht treiben.
Das Projekt KLANGNETZE, in dem ich nun schon einige Jahre lang mitarbeite, ist beileibe kein Stein der Weisen, zeigt aber dennoch, in welche Richtung eine grundlegende Reform gehen könnte. Es geht davon aus, und das ist so einfach wie radikal neu (!), dass Schüler lernen können, selbst Musik zu machen, diese Musik sogar selbst zu entwickeln, mithin im weitesten Sinn zu komponieren. Es trägt der Tatsache Rechnung, dass dies im Klassenverband von 25 bis 30 Schülern schlichtweg unmöglich ist; also wird die Klasse von drei Personen (zwei Komponisten oder Musikern und einem Lehrer) betreut und immer wieder, falls nötig, in kleiner Gruppen geteilt. Zudem besteht die Gelegenheit, die so entstandenen Arbeiten in attraktivem Rahmen einem interessierten Publikum zu präsentieren, was in der Regel einen zusätzlichen Motivationsschub bedeutet. Formale und andere musikimmanente Problemstellungen tauchen von selbst auf und werden eingehend behandelt. Musikbeispiele, die in bestimmten Phasen inspirieren und weiterhelfen können, stehen hier wie selbstverständlich in einem ganz anderen Kontext als in der alten Werkbetrachtung. Neue Medien (Aufnahme, deren Bearbeitung, elektronischen Klänge et cetera) werden eingesetzt, wenn man sie braucht und nicht um ihrer selbst willen. Auch hier kann es vorkommen, das stundenlang vor- oder nachbearbeitet werden muss, aber mit welch größerer und anderer Motivation als bei der Reproduktion bereits fertiger Musik und mitunter auch von den Schülern selbst (!). Bei den KLANGNETZEN geht es dezidiert um Neue Musik, die ja in der Regel, wie schon angedeutet, in der Musikerziehung eine untergeordnete Rolle spielt, obwohl sich ihre Strukturen wie auch ihr an "demokratischen" Modellen geschultes Selbstverständnis hervorragend für die Arbeit mit Laien in Gruppen eignet.
Natürlich ist ein ähnlicher Ansatz auch mit anderen Inhalten denkbar: Tanz, Musiktheater, Hörspiel, Popularmusik unterschiedlichster Prägung und so weiter. Hier sind der Phantasie ausnahmsweise keine Grenzen gesetzt, vorausgesetzt man steigt vom im Schulbetrieb ohnehin skurril anmutenden hohen Roß der Perfektion herab. Selbstverständlich soll hier so gewissenhaft wie irgend möglich gearbeitet werden. Aber es macht keinen Sinn, nur um ein Beispiel zu nennen, auf eine feinsäuberliche, "richtige" Notation des Erfundenen zu drängen, wenn eine praxisnahe, selbst erfunden Gedächtnishilfe auch ihren Zweck erfüllt. Dies nur zu dem auch schon gehörten Einwand, ob denn da die Schüler auch richtig Notenlesen lernen würden. Gegenfrage: Tun sie das denn im herkömmlichen Musikunterricht? Ferner gilt es festzuhalten, dass solche, am KLANGNETZE-Beispiel orientierten Projekte keineswegs im Widerspruch zur Reproduktion von bereits fertiger, historischer Musik - vom Madrigal bis zum Worksong - stehen. Es ist sogar zu erwarten, dass Schüler, die immer wieder dazu angehalten werden, selbst kreativ tätig zu werden, mehr Verständnis für die kompositorische Arbeit der Vergangenheit aufbringen.
Allerdings wird man die Totale auf die gesamte Musikgeschichte und Musiktheorie, wie sie in heutigen Lehrplänen noch immer gefordert ist, zugunsten von klar umgrenzten, exemplarisch fokussierenden Projektthemen aufgeben müssen. Das muss nicht zwangsläufig einen gänzlichen Verzicht auf primär kognitiv zu erarbeitende Inhalte bedeuten. Gerade in Bereichen wie Musiksoziologie und Musikpsychologie findet sich eine Reihe spannender Themenstellungen, die der Lebenswelt von Heranwachsenden deutlich näher kommen als die Analyse der Matthäuspassion oder die Biografie von Brahms. Viele Musikerzieher sehen sich aber nach wie vor als Hüter der Tradition und begreifen ihr Wirken als Sicherung von Musikernachwuchs und Heranbildung eines künftigen Publikums von Musikverein und Oper. Mir ist dabei allerdings nach wie vor ein Rätsel, wie man den heutigen Musikunterricht als Garanten für den Fortbestand eines konservativen Musiklebens betrachten kann. Mir scheint eher eine gründliche E-Musik-Abstinenz die Folge zu sein, einer ähnlich paradoxen Logik folgend, nach der die religiöse Erziehung verlässlich spätere Kirchenaustritte vorbereitet. Das mag zwar den Niedergang eines maroden Spießbürger-Kulturbegriffs beschleunigen, was mir nur recht sein kann, andererseits ist mir die Tradition viel zu wichtig, um einen derartigen Missbrauch zu rechtfertigen. Ich wünsche mir schon, dass die Schüler später mit Bach und Beethoven wenigstens eine positive Erinnerung verbinden.

Nun, die Diagnose ist beunruhigend genug und wird eine umfassende, in mehreren Schritten zu erfolgende Therapie nach sich ziehen müssen. Eine sofort zu realisierende, kostenneutrale (ein Zauberwort für die Behörde) Feuerwehrmaßnahme wäre meiner Ansicht nach die Abschaffung des Pflichtfachs Musikerziehung auf den erfahrungsgemäß besonders schwierigen Schulstufen 7 bis 9 und der Einsatz des darauf freiwerdenden Lehrpersonals in Teilungsgruppen der Klassen auf den Schulstufen 6 und 10 sowie in Wahlpflicht- und Neigungsgruppen auf den Stufen 7 bis 9. Diese wären bei einem der Altersgruppe entsprechend attraktivem Angebot sicherlich problemlos zu füllen. Für eine Reihe von Schülern bestimmter Altersgruppen würde der Musikunterreicht dementsprechend bis auf weiteres entfallen. Das ist bedauerlich, ist aber der Preis für jahrzehntelange Versäumnisse und immer noch besser als vier oder acht Jahre lang einen Unterricht anzubieten, der den Schülern die Musik und vor allem den kreativen Umgang mit ihr gründlich austreibt.
Des weiteren ist zu fordern:
Ersatzlose Streichung des gegenwärtigen Lehrplans: Die Vermittlung von Musik bedarf keiner Vorschriften, sondern ausschließlich der Begeisterung für die Kunst. Bei einem Schulwechsel, und der ist bislang das einzig vernünftige Argument für einen verbindlichen Lehrplan, der im Übrigen schon heute Makulatur ist, kommt der Schüler im Moment ohnehin nur vom Regen in die Traufe oder bestenfalls in ein etwas freundlicheres Planschbecken. Anstelle des Lehrplans ist ein Unterricht in mehreren abgeschlossenen Projekten pro Jahr anzustreben. Die Gruppengröße darf dabei keineswegs 14 überschreiten. Eine verstärkte Lehrerfortbildung in diese Richtung ist anzustreben.
Blockung des Unterrichts in Doppelstunden, wenn möglich sogar in größeren Einheiten: Es ist schwer genug, eine kreativen Unterricht in fünfzig Minuten in Bewegung zu setzen und völliger Unsinn, diesen mit dem nächsten Pausenzeichen sogleich wieder abzuwürgen. Allein das Herbeischaffen und Stimmen von Instrumenten, die Einstellung von Mischpult, Aufnahmegerät und ähnlichem nimmt in der Regel die Hälfte einer herkömmlichen Unterrichtseinheit in Anspruch.
Radikale Öffnung der Schule für Künstler und Bereitstellung der dafür notwendigen Mittel: Die heute vereinzelt auftretenden Angeboten der Marke "Gesprächskonzert mit einem viertklassigen Bläserquintett" verstärken eher die schon beschriebenen negativen Effekte. Wichtig wäre hingegen der permanente Kontakt mit aktuellen Strömungen in der gegenwärtigen Musikszene.
Entrümpelung der Musik-Kustodinate und Ausstattung mit brauchbarem, kinderfestem Instrumentarium und neuester Technologie: es ist absolut nicht einzusehen, dass Musikerzieher sich mit veralteten, schlecht klingenden Orff-Instrumenten herumzuschlagen haben, während im EDV-Unterricht ganze Netzwerke für langweilige Anwendungen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation bereitstehen.
Erweiterung des Wahl-, Wahlpflicht- und Freigegenstandsangebots im Bereich Musik: Dies kann ab einem gewissen Grad natürlich nur zu Lasten heute vermeintlich wichtigerer Fächer geschehen und muss daher in eine umfassende Schulreform beziehungsweise in entsprechende schulautonome Konzepte eingebunden sein. Schon längst ist erwiesen, dass die intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Menschen, unter anderem über das äußerst probate Vehikel Musik, die Entwicklung von Heranwachsenden positiv beeinflusst und auch auf die sogenannten kognitiven Bereiche ausstrahlt, sogar bei Reduktion der Stunden in den betreffenden Fächern. Diese Erkenntnisse werden von den verantwortlichen Stellen ähnlich beharrlich ignoriert wie seinerzeit die Forschungen Galileis durch den Papst.

Dieser Forderungskatalog kann je nach Frustrationstoleranz beliebig erweitert werden und umfasst nur die wichtigsten und ehebaldigst zu erledigenden Maßnahmen. Natürlich stellen sich ähnliche Probleme im gesamten Schulbereich und mit unterschiedlichem Dringlichkeitsgrad in sämtlichen Fächern. Nur war der Kunstunterricht schon immer der empfindlichste und verlässlichste Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen und daher politisch gar nicht so leichtgewichtig wie er gerne gehalten wird. Der in der Regel ausbleibende Notendruck (= Ausübung von Druck auf die Schüler via Schulnoten) kann Fehlentwicklungen nicht so leicht und vor allem nicht so ausdauernd kaschieren wie in anderen schulischen Bereichen. Dafür wird selbstredend erwartet, dass die im künstlerischen Bereich tätigen Lehrer alles auf ihre gar nicht so breiten, gutmütigen Schultern laden, oder, unter der Last zusammenbrechend, zu jenen stumpfsinnigen Kunstaustreibern werden, von denen im Eingangszitat die Rede ist. Dabei ist die Ausgangssituation für das Lehrpersonal alles andere denn hoffnungslos. Musikerzieher sind schon aufgrund ihrer intensiven, vielschichtigen Ausbildung eine höchst motivierte, auch großen Arbeitsaufwand nicht scheuende Pädagogenspezies, die leider mit ihren künstlerischen Kollegen (Komponisten, Musikern) eine gewisse politische Unbedarftheit teilt. Die Organisationsschwäche bei der Durchsetzung ihrer eigenen Interessen ist das Resultat. Ich bin aber zuversichtlich, dass der wachsende Leidensdruck das Seine dazu beitragen wird, notwendige Forderungen zu artikulieren und durchzusetzen.


zuerst erschienen in:
Schneider, Hans/Bösze, Cordula/Stangl, Burkhard (Hrsg.): Klangnetze, ein Versuch, die Wirklichkeit mit den Ohren zu erfinden, Saarbrücken 2000.
http://www.klangnetze.at

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